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Schacht Lohberg 1
(c) Hans-Peter Gralingen
(
www.foto-it.de)


Steinkohlen-Bergwerk in Zonguldak

Nach Plänen der RAG die neue Heimat der Lohberger Türme: Steinkohlebergwerk im türkischen Zonguldak

Gründe für den Erhalt der Lohberger Fördertürme

von Dr. Inge Litschke

1988 wurde die Bergarbeiterkolonie Lohberg als Denkmalbereich unter Denkmalschutz ge­stellt und gerade dadurch vor dem Abriss bewahrt. Es ist schwer vorstellbar, dass nun durch Aufhe­bung des Denkmalschutzes für die Türme das Umgekehrte passieren und erhaltens­werte Objekte aus rein kommerziellen Gründen dem Abriss preis­gegeben werden sollen. Was ist Denkmalschutz dann überhaupt noch wert? Er würde zur Farce!

Die RAG bzw. die RAG-Stiftung ist finanziell so ausgestattet, dass sie nach ih­rer Sat­zung nicht nur zur „Unter­stützung bei der Beseitigung und Vermeidung von Folgelas­ten des Steinkohlen­bergbaus der RAG für Umwelt und Natur“ verpflichtet ist, sondern auch zur „Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur"in den Bergbau­re­gionen an Ruhr und Saar, soweit dies im Zusammenhang mit dem deutschen Stein­kohlen­bergbau steht“ (§ 2a). Das beinhal­tet, wie sich interpretieren lässt, auch den Er­halt und die Pflege kul­tur- und industriegeschichtlich wertvoller Hinterlassen­schaften des Bergbaus. Vom Abriss denkmalgeschützter Immobilien ist in der Sat­zung nicht die Rede.

Die Fördertürme haben einen besonderen kultur-, architektur- und industriehistori­schen Wert. Sie verdeutli­chen zum einen den Wan­del der Fördertechnik von der Anfang des vorigen Jahrhunderts gängigen Wagen­förderung (Schacht 1) hin zur vollautomatischen Gefäßförderung (Schacht 2) 50 Jahre später. Zum anderen handelt es sich bei beiden Fördergerüsten um besonders erhaltenswerte Konstruktionen:
Das Fördergerüst von Schacht 1 ist noch der von Promnitz (1874/75) entwickelten Konstruktionsart zuzurech­nen, nimmt aber in der Strebenausbildung Konstruk­tionsideen von Zschetsche (1899) und Klönne (1903) auf. Vergleichbare Konstruktionen gibt es in Nordrhein-Westfalen nur noch auf der Zeche Westfalen in Ahlen. Wei­tere Beispiele dieser Bauart sind lediglich im Saarland anzutreffen.
Das Fördergerüst von Schacht 2 ist eine Konstruktion von Fritz Schupp (1896 – 1974), einem der berühmtesten Industriear­chitekten des Ruhrge­biets. Mit 70,50 m war es seinerzeit (1955/56) das höchste im Ruhrge­biet und ist es auch heute wieder.

Mit dem Emblem des ebenfalls von Schupp konstruierten Fördergerüsts von Zeche Zollver­ein XII in Essen, das mit nur 55 m Höhe wie der kleinere Bruder von Schacht 2 in Lohberg wirkt, wirbt die Stadt Essen für "Ruhr 2010 – Kulturhauptstadt Europas". Im Januar 2010 wird Dinslaken als Schnittstelle zwischen Metro­pole Ruhr und Nie­der­rhein die erste Stadt der Region sein, die sich im Kulturhaupt­stadtjahr präsentiert, u. a. mit Ak­tionen auf dem Zechengelände in Lohberg. Und das ohne die Förder­türme oder mit dem Geräusch der Schneid­brenner, welche die Türme gerade zerle­gen, im Hinter­grund? Eine Absurdität!

Das Schuppsche Fördergerüst über Schacht 2 ist mit 70,50 m nicht nur 15,50 m höher als das von Zollverein XII, es ist auch einmalig und fordert schon allein deshalb seine Erhaltung geradezu heraus. „Nach schlechten Erfah­rungen, die Schupp mit den sei­ner Meinung nach weniger gelungenen Nachbauten des Fördergerüsts von Zollver­ein XII gemacht hatte, wollte er für das neue Gerüst in Dinslaken Patentschutz beantragen und suchte daher nach einer originellen, bisher noch nicht verwirk­lichten Form. Ein Patent wurde ihm zwar verwehrt, doch kam es in der Folgezeit zu keinem Nachbau der Lohberger Konstruktion. Als Variante des Doppelstrebengerüsts ist es von ar­chitekturhistorischer Be­deutung.“ (Aus der gutachtlichen Stellungnahme zum Denkmalwert Zeche Lohberg 1/2, LVR 1992). Und damit ist das Lohberger Fördergerüst über Schacht 2 einmalig! Es wurde zum Kenn­zeichen Lohbergs und zur Landmarke für Dinslaken und Um­gebung.

Würde durch Aufheben des Denkmalschutzes für die Türme eine Art Präzedenzfall ge­schaffen, dann ent­stünde ein Dominoeffekt und weiteren denkmalgeschützten Im­mobilien auf dem Werksgelände und letztlich auch den Koloniehäusern drohte eben­falls der Abriss. Denn welchem „kleinen“ Besitzer eines geschützten Kolonie­hauses könnte man dann verwehren, sein Gebäude abzureißen, den Schrott kosten­günstig zu verhö­kern und das Grund­stück kommerziell zu nutzen?

Die unter gartenstädtischen Gesichtspunkten gebaute Kolonie, die sich zur Zeche hin öffnet und den früheren Zu­sammen­hang von Leben und Arbeiten doku­men­tiert, das multifunktionale Baudenkmal Le­digenheim, das Pfört­nerhaus, das Ver­wal­tungsgebäude einschließlich der Lohnhalle, das Sozialgebäude, die technischen Werksanla­gen einschließlich der Fördertürme bilden ein zusammengehörendes En­semble, das in der Vollständigkeit heute kaum noch einmal im Ruhr­gebiet anzutreffen ist und nicht durch Abriss der Türme zerstört wer­den darf.

Es ist nicht hinnehmbar, dass die RAG sich nach Belieben selbst aus ihrer Ver­antwor­tung hierfür entlassen will. An den Schächten und den aufragenden, die Land­schaft prägenden Gerüs­ten klebt der Schweiß Tau­sender von Bergleuten, die ein Jahrhun­dert lang mit ihrer Arbeitskraft und oft auf Kosten ihrer Gesundheit den Wohlstand ei­ner ganzen Region gemehrt haben. Die Türme sind Landmarken, Symbole der Arbeit, Identifikations­objekte und Wahrzeichen für die gesamte Stadt Dinslaken und weite Teile der Bevöl­kerung. Nicht zuletzt tragen sie zur Inte­gration in Lohberg bei; denn auch die türkisch­stämmigen Bewohner identifi­zieren sich mit ihnen.

Spendenkonto

Förderverein Fördertürme Bergwerk Lohberg e.V.
Konto-Nr. 670919083
BLZ: 35251000
Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe
Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, so dass Beiträge und Spenden steuerlich abzugsfähig sind. Eine Spendenbescheinigung wird auf Wunsch erstellt

Beitritt

Wer dem "Förderverein Fördertürme Bergwerk Lohberg e.V" beitreten möchte, findet die Beitrittserklärung im .pdf-Format hier