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| Nach Plänen der RAG die neue Heimat der Lohberger Türme: Steinkohlebergwerk im türkischen Zonguldak | |
Gründe für den Erhalt der Lohberger Fördertürme
von Dr. Inge Litschke
1988 wurde die Bergarbeiterkolonie Lohberg als Denkmalbereich unter Denkmalschutz gestellt und gerade dadurch vor dem Abriss bewahrt. Es ist schwer vorstellbar, dass nun durch Aufhebung des Denkmalschutzes für die Türme das Umgekehrte passieren und erhaltenswerte Objekte aus rein kommerziellen Gründen dem Abriss preisgegeben werden sollen. Was ist Denkmalschutz dann überhaupt noch wert? Er würde zur Farce!
Die RAG bzw. die RAG-Stiftung ist finanziell so ausgestattet, dass sie nach ihrer Satzung nicht nur zur „Unterstützung bei der Beseitigung und Vermeidung von Folgelasten des Steinkohlenbergbaus der RAG für Umwelt und Natur“ verpflichtet ist, sondern auch zur „Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur"in den Bergbauregionen an Ruhr und Saar, soweit dies im Zusammenhang mit dem deutschen Steinkohlenbergbau steht“ (§ 2a). Das beinhaltet, wie sich interpretieren lässt, auch den Erhalt und die Pflege kultur- und industriegeschichtlich wertvoller Hinterlassenschaften des Bergbaus. Vom Abriss denkmalgeschützter Immobilien ist in der Satzung nicht die Rede.
Die Fördertürme haben einen besonderen kultur-, architektur- und industriehistorischen Wert. Sie verdeutlichen zum einen den Wandel der Fördertechnik von der Anfang des vorigen Jahrhunderts gängigen Wagenförderung (Schacht 1) hin zur vollautomatischen Gefäßförderung (Schacht 2) 50 Jahre später. Zum anderen handelt es sich bei beiden Fördergerüsten um besonders erhaltenswerte Konstruktionen: Das Fördergerüst von Schacht 1 ist noch der von Promnitz (1874/75) entwickelten Konstruktionsart zuzurechnen, nimmt aber in der Strebenausbildung Konstruktionsideen von Zschetsche (1899) und Klönne (1903) auf. Vergleichbare Konstruktionen gibt es in Nordrhein-Westfalen nur noch auf der Zeche Westfalen in Ahlen. Weitere Beispiele dieser Bauart sind lediglich im Saarland anzutreffen. Das Fördergerüst von Schacht 2 ist eine Konstruktion von Fritz Schupp (1896 – 1974), einem der berühmtesten Industriearchitekten des Ruhrgebiets. Mit 70,50 m war es seinerzeit (1955/56) das höchste im Ruhrgebiet und ist es auch heute wieder.
Mit dem Emblem des ebenfalls von Schupp konstruierten Fördergerüsts von Zeche Zollverein XII in Essen, das mit nur 55 m Höhe wie der kleinere Bruder von Schacht 2 in Lohberg wirkt, wirbt die Stadt Essen für "Ruhr 2010 – Kulturhauptstadt Europas". Im Januar 2010 wird Dinslaken als Schnittstelle zwischen Metropole Ruhr und Niederrhein die erste Stadt der Region sein, die sich im Kulturhauptstadtjahr präsentiert, u. a. mit Aktionen auf dem Zechengelände in Lohberg. Und das ohne die Fördertürme oder mit dem Geräusch der Schneidbrenner, welche die Türme gerade zerlegen, im Hintergrund? Eine Absurdität!
Das Schuppsche Fördergerüst über Schacht 2 ist mit 70,50 m nicht nur 15,50 m höher als das von Zollverein XII, es ist auch einmalig und fordert schon allein deshalb seine Erhaltung geradezu heraus. „Nach schlechten Erfahrungen, die Schupp mit den seiner Meinung nach weniger gelungenen Nachbauten des Fördergerüsts von Zollverein XII gemacht hatte, wollte er für das neue Gerüst in Dinslaken Patentschutz beantragen und suchte daher nach einer originellen, bisher noch nicht verwirklichten Form. Ein Patent wurde ihm zwar verwehrt, doch kam es in der Folgezeit zu keinem Nachbau der Lohberger Konstruktion. Als Variante des Doppelstrebengerüsts ist es von architekturhistorischer Bedeutung.“ (Aus der gutachtlichen Stellungnahme zum Denkmalwert Zeche Lohberg 1/2, LVR 1992). Und damit ist das Lohberger Fördergerüst über Schacht 2 einmalig! Es wurde zum Kennzeichen Lohbergs und zur Landmarke für Dinslaken und Umgebung.
Würde durch Aufheben des Denkmalschutzes für die Türme eine Art Präzedenzfall geschaffen, dann entstünde ein Dominoeffekt und weiteren denkmalgeschützten Immobilien auf dem Werksgelände und letztlich auch den Koloniehäusern drohte ebenfalls der Abriss. Denn welchem „kleinen“ Besitzer eines geschützten Koloniehauses könnte man dann verwehren, sein Gebäude abzureißen, den Schrott kostengünstig zu verhökern und das Grundstück kommerziell zu nutzen?
Die unter gartenstädtischen Gesichtspunkten gebaute Kolonie, die sich zur Zeche hin öffnet und den früheren Zusammenhang von Leben und Arbeiten dokumentiert, das multifunktionale Baudenkmal Ledigenheim, das Pförtnerhaus, das Verwaltungsgebäude einschließlich der Lohnhalle, das Sozialgebäude, die technischen Werksanlagen einschließlich der Fördertürme bilden ein zusammengehörendes Ensemble, das in der Vollständigkeit heute kaum noch einmal im Ruhrgebiet anzutreffen ist und nicht durch Abriss der Türme zerstört werden darf.
Es ist nicht hinnehmbar, dass die RAG sich nach Belieben selbst aus ihrer Verantwortung hierfür entlassen will. An den Schächten und den aufragenden, die Landschaft prägenden Gerüsten klebt der Schweiß Tausender von Bergleuten, die ein Jahrhundert lang mit ihrer Arbeitskraft und oft auf Kosten ihrer Gesundheit den Wohlstand einer ganzen Region gemehrt haben. Die Türme sind Landmarken, Symbole der Arbeit, Identifikationsobjekte und Wahrzeichen für die gesamte Stadt Dinslaken und weite Teile der Bevölkerung. Nicht zuletzt tragen sie zur Integration in Lohberg bei; denn auch die türkischstämmigen Bewohner identifizieren sich mit ihnen. |
Spendenkonto
Förderverein Fördertürme Bergwerk Lohberg e.V. Konto-Nr. 670919083 BLZ: 35251000 Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt, so dass Beiträge und Spenden steuerlich abzugsfähig sind. Eine Spendenbescheinigung wird auf Wunsch erstellt Beitritt
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